Wadden Sea Day 2026: Internationale Fachleute diskutieren die Rolle und Zukunft der Wattenmeer-Schutzgebiete
Unter dem Motto „On the Importance of Area-Based Protection for the Comprehensive Conservation of the Wadden Sea: Present and Future Role of Protected Areas” versammelten sich am 28. August über 130 Vertreter*innen aus Naturschutz, Wissenschaft, Politik und Verwaltung im UNESCO-Weltnaturerbe Wattenmeer-Besucherzentrum in Wilhelmshaven. Die Veranstaltung, die von der Nationalparkverwaltung Niedersächsisches Wattenmeer und dem Gemeinsamen Wattenmeersekretariat organisiert wird und bereits zum zwanzigsten Mal stattfindet, widmete sich diesmal der Bedeutung von Großschutzgebieten für den langfristigen Erhalt des einzigartigen Ökosystems Wattenmeer.
Die Unterschutzstellung des Wattenmeeres in den Anrainerstaaten Dänemark, Deutschland und den Niederlanden war eine zentrale Voraussetzung für seine Anerkennung als gemeinsames UNESCO-Weltnaturerbe. In den Vorträgen und Diskussionen wurde deutlich, dass die Schutzgebiete in den verschiedenen Ländern zwar unterschiedlich organisiert sind und verschiedene Strategien zum Schutz des Wattenmeeres in den jeweiligen Regionen verfolgen. Diese Vielfältigkeit der Ansätze wurde jedoch einhellig als positiv bewertet, denn es sind gute Fortschritte zu verzeichnen – sowie als Möglichkeit, voneinander zu lernen und für die jeweiligen lokalen Gegebenheiten die besten Lösungen zu entwickeln.
Luzette Kroon, Vorsitzende des Wadden Sea Boards: „Die Natur kennt keine Landesgrenzen und keine Zuständigkeitsbereiche. Wir Menschen dagegen oft schon. Umso bemerkenswerter finde ich es, dass das Wattenmeer seit so vielen Jahren als eine ökologische Einheit verstanden und, wo immer möglich, auch gemeinsam so behandelt wird. Das ist weltweit keineswegs selbstverständlich, aber eine Voraussetzung für wirksamen Naturschutz. Deshalb ist die heutige Reflexion über unseren bisherigen Gebietsschutz so wichtig. Umso mehr freue ich mich darauf, in zwei Jahren das 50-jährige Bestehen der trilateralen Zusammenarbeit von Dänemark, Deutschland und den Niederlanden zum Schutz des Wattenmeeres feiern zu können.”
Peter Südbeck, Leiter der Nationalparkverwaltung Niedersächsisches Wattenmeer, ergänzte: „Gerade im Jubiläumsjahr unseres Nationalparks zeigt sich, wie wichtig eine gemeinsame Vision für den Schutz des Wattenmeers ist. Nur wenn wir unsere Erfahrungen teilen, voneinander lernen und gemeinsam handeln, können wir die Herausforderungen der Zukunft meistern. Schutzgebiete sind dabei nicht nur Rückzugsräume für die Natur, sondern auch Orte, an denen Wissenschaft und Zivilgesellschaft, Kultur und regionale Identität zusammenkommen, um Politik und Management zu unterstützen.”
Im Rahmen des vielfältigen Programms beleuchteten Expertinnen und Experten aktuelle Herausforderungen und Lösungsansätze für den Schutz des Wattenmeeres: William Sutherland von der University of Cambridge zeigte auf, wie Schutzgebiete wirksam gestaltet werden können. Jens Enemark, langjähriger Leiter des Gemeinsamen Wattenmeersekretariats, stellte die trilaterale Wattenmeerzusammenarbeit als beispielhaftes System für grenzüberschreitendes Management vor. Stefanie Nolte von der Nationalparkverwaltung Niedersächsisches Wattenmeer erläuterte, wie Renaturierungsmaßnahmen zur ökologischen Verbesserung und zum naturbasierten Klimaschutz beitragen können. Hans-Ulrich Rösner von der Schutzstation Wattenmeer hob die Bedeutung von Information und Bildung als Voraussetzungen für wirksamen Schutz hervor und betonte dabei die zentrale Rolle der Nichtregierungsorganisationen und der Zivilgesellschaft. Anika Happe von der Universität Oldenburg zeigte auf, dass im trilateralen Wattenmeer vor allem Veränderungen in der Zusammensetzung der Arten die Biodiversitätsentwicklung prägen.
Ergänzt wurde das Programm durch die Präsentation der Ergebnisse der Wadden Sea World Heritage Summer School, in der angehende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler innovative Ansätze zum Umgang mit den ökologischen, kulturellen und wirtschaftlichen Herausforderungen des steigenden Meeresspiegels vorstellten. Die 15 Teilnehmenden der Summer School hatten sich bereits zum dritten Mal zwei Wochen lang intensiv mit verschiedenen Aspekten des Wattenmeermanagements auseinandergesetzt – diesmal am Lauwersmeer, Niederlande. Ihre gewonnenen Ergebnisse werden jeweils beim Wadden Sea Day präsentiert.
Thematisch durchaus passend, nahmen einige Teilnehmende des Wadden Sea Day auch am offiziellen Baustart des Trilateralen Weltnaturerbe Wattenmeer-Partnerschaftszentrums an der Jadeallee teil. Das neue Zentrum wird künftig als zentrale Anlaufstelle und Netzwerkplattform für die trilaterale Wattenmeer-Zusammenarbeit mit nationaler und internationaler Sichtbarkeit dienen.
Der Wadden Sea Day wird seit 2006 jährlich gemeinsam von der Nationalparkverwaltung Niedersächsisches Wattenmeer und dem Gemeinsamen Wattenmeersekretariat organisiert. Die Veranstaltung dient dem internationalen Austausch von Fachleuten und der Entwicklung gemeinsamer Strategien zum Schutz des UNESCO-Weltnaturerbes Wattenmeer. Die Teilnahme ist für die Fachöffentlichkeit kostenfrei.
